Kinkscore

Ein Überblick darüber, was ein Kink-Fragebogen ist, wofür man ihn benutzt und wie Kinkscore als deutschsprachige Umsetzung dieser Idee aufgebaut ist.

Was ist ein Kink-Fragebogen?

Vorlieben und Grenzen sortieren

Ein Kink-Fragebogen ist eine lange, strukturierte Liste sexueller Praktiken, Rollen und Szenarien, zu denen man Stellung bezieht: mag ich, mag ich nicht, will ich ausprobieren, will ich unter bestimmten Umständen, oder ist das für mich tabu. Die Idee stammt aus der Kink- und BDSM-Community und verbreitet sich seit einigen Jahren als einfaches, kostenloses Werkzeug für Selbstreflexion und Kommunikation, etwa nach dem Vorbild der englischsprachigen Kinksheet.

Der Nutzen ist doppelt. Zum einen hilft das Ausfüllen dabei, für sich selbst Ordnung in ein Feld zu bringen, über das man selten in dieser Ausführlichkeit nachdenkt. Viele Zeilen liest man zum ersten Mal bewusst und merkt erst beim Antworten, wie man wirklich dazu steht. Zum anderen entsteht ein Ergebnis, das man einer anderen Person zeigen oder schicken kann, ohne im Gespräch erst nach Worten suchen zu müssen. Über Sex zu reden fällt vielen Menschen schwer, gerade wenn es um Wünsche und Grenzen abseits des Naheliegenden geht. Ein ausgefüllter Bogen ist ein Gesprächseinstieg, der die unangenehme erste Formulierung schon erledigt hat.

Wie Kinkscore aufgebaut ist

Kinkscore gliedert sich in 17 Kategorien mit insgesamt 161 Themen, von zärtlicher Nähe bis zu expliziten Praktiken: Nähe & Zärtlichkeit, Kleidung & Erscheinung, Konstellationen, Sex — allgemein, Penetration, Besondere Stellungen, Po-Spiele, Spielzeug, Berührung & Stimulation, Fesseln & Einschränkung, Dominanz & Unterwerfung, Surreales & Fantasy, Szenarien & Rollenspiele, Schmerz, Körperflüssigkeiten, Tabu-Szenarien und Weitere Fetische. Jede Kategorie bekommt einen eigenen Bildschirm, sodass man sich nicht durch eine einzige endlose Liste scrollen muss, sondern thematisch geordnet vorankommt.

Aus den 161 Themen werden insgesamt 301 einzelne Bewertungen, weil die meisten Themen aus zwei Perspektiven abgefragt werden. Nur wenige Kategorien wie Nähe & Zärtlichkeit, Konstellationen oder Körperflüssigkeiten sind einspaltig, weil dort keine aktive und passive Rolle sinnvoll unterscheidbar ist.

Warum jede Frage zweimal gestellt wird

Der zentrale Kniff des Fragebogens ist, dass die meisten Themen aus zwei Richtungen gefragt werden: einmal aus der aktiven und einmal aus der empfangenden Position. Das klingt zunächst nach doppelter Arbeit, ist aber der Punkt, um den sich der ganze Bogen dreht.

Beispiel

„Ich fessle jemanden mit Seil" und „Ich werde mit Seil gefesselt" stehen im Fragebogen als zwei getrennte Zeilen unter Fesseln & Einschränkung.

Das sind zwei verschiedene Fragen, keine Umformulierung derselben. Viele Menschen beantworten sie unterschiedlich: Manche fesseln lieber, als gefesselt zu werden, oder empfinden nur eine der beiden Richtungen als reizvoll. Wer nur einmal fragen würde, ob jemand „auf Fesseln steht", würde diesen Unterschied schlicht nicht erfassen.

Die fünf Antwortstufen

Zu jeder Zeile stehen fünf Antworten zur Auswahl, plus die Möglichkeit, sie offen zu lassen:

  • Favorit — eine ausgesprochene Vorliebe, etwas, das man sich aktiv wünscht.
  • Like — gefällt mir, gerne wieder.
  • Interessiert — kenne ich noch nicht oder kaum, will ich aber ausprobieren.
  • Vielleicht — käme unter den richtigen Umständen infrage, ist aber keine klare Zusage.
  • NoGo — nicht verhandelbar, keine Ausnahme.

Interessiert und Vielleicht werden am häufigsten verwechselt, meinen aber unterschiedliche Dinge. Interessiert heißt: Ich will das grundsätzlich ausprobieren, die Bereitschaft ist da. Vielleicht heißt: Es hängt von Stimmung, Person, Setting oder Rahmenbedingungen ab, ob das für mich passt. Wer diese beiden sauber trennt, macht das spätere Gespräch deutlich präziser.

NoGo ist eine vollwertige Antwort

NoGo ist keine Verlegenheitslösung für Zeilen, die einem unangenehm sind, sondern eine vollwertige, wichtige Antwort. Ein Fragebogen, der nur erfasst, was jemand mag, zeigt nur die halbe Wahrheit. Grenzen genauso klar zu benennen wie Vorlieben ist der eigentliche Sicherheitswert des Instruments — gerade weil es später als Grundlage für gemeinsame Absprachen dient.

Gemeinsam nutzen

Am meisten Wert entsteht, wenn zwei Personen den Bogen unabhängig voneinander ausfüllen und die Ergebnisse anschließend vergleichen. Wichtig ist „unabhängig": Wer die Antworten der anderen Person schon kennt, bevor er selbst antwortet, verfälscht das Ergebnis unbewusst.

Der Vergleich rechnet kreuzweise: Was die eine Person gern aktiv tut, wird gegen das gehalten, was die andere Person gern passiv empfängt, und umgekehrt. Nur wenn beide Seiten einer Zeile zusammenpassen, ist daraus ein gemeinsames Thema. NoGos können dabei nie überstimmt werden — hat eine Person zu einer Zeile NoGo eingetragen, zählt diese Zeile im Vergleich als Grenze, unabhängig davon, wie begeistert die andere Person wäre.

Warum auch ungewöhnliche Themen drinstehen

Der Bogen enthält bewusst auch Fantasie- und Tabu-Themen, die die wenigsten Menschen aktiv ausleben würden. Das ist kein Zufall und kein Versehen: Eine Grenze lässt sich nur markieren, wenn sie überhaupt benannt wird. Ein Thema wegzulassen, weil es selten oder heikel ist, würde genau den Menschen die Möglichkeit nehmen, an dieser Stelle klar NoGo zu sagen.

Datenschutz

Kinkscore läuft vollständig im Browser. Es gibt kein Konto, keine Cookies, kein Tracking und keine Übertragung der Antworten an einen Server. Der Ergebnis-Code, mit dem man ein ausgefülltes Blatt speichern oder teilen kann, steht im Fragment der URL — dem Teil hinter dem Rautezeichen #. Dieser Teil wird von Browsern technisch nie an den Server geschickt, auch nicht beim Öffnen des Links. Die eigenen Antworten bleiben damit vollständig unter der eigenen Kontrolle.